Mikrofasertuch

Mikrofasertücher berühren deinen Lack öfter als jedes andere Werkzeug. Hier liest du, wie sie aufgebaut sind, wann sie Kratzer verursachen und wie du sie pflegst.

Autoscheibe wird mit einem Mikrofasertuch gereinigt

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Kurz erklärt

Mikrofasertücher sind Reinigungs- und Trockentücher aus synthetischen Fasern, meist Polyester und Polyamid, deren Einzelfasern feiner als 1 dtex sind. 10.000 Meter einer solchen Faser wiegen also weniger als 1 Gramm. Durch Aufspalten von Bikomponentenfasern entstehen kantige Faserquerschnitte mit großer Oberfläche. Diese Struktur nimmt Partikel, Fett und Wasser kapillar auf und hält sie im Gewebe fest.

In der Halle ist das Mikrofasertuch das Werkzeug, das am häufigsten den Lack berührt. Es trocknet, nimmt Politur- und Versiegelungsrückstände ab und reinigt Scheiben und Innenraum. Gerade deshalb entscheidet seine Qualität und Pflege mit darüber, ob ein frisch polierter Lack fehlerfrei bleibt.

Woraus besteht ein Mikrofasertuch?

Als Mikrofaser gelten Fasern mit einer Feinheit unter 1 dtex. Die Einheit Dezitex beschreibt die Masse pro Länge: 1 dtex entspricht 1 Gramm auf 10.000 Meter Faser. Das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung gibt für Mikrofasern Durchmesser von etwa 5 bis 10 µm an, übliche Natur- und Chemiefasern liegen dagegen meist über 10 µm. Der VerbraucherService Bayern beschreibt die Fasern in Reinigungstüchern als 3 bis 10 µm dünn und damit bis zu siebenmal dünner als ein menschliches Kopfhaar.

So feine Fasern lassen sich aus einer einzigen Schmelze kaum wirtschaftlich spinnen. Hersteller nutzen deshalb die Bikomponententechnik: Zwei Polymere, bei Reinigungstüchern meist Polyester und Polyamid, werden gemeinsam zu einem Filament versponnen. Bei Splittfasern wird dieses Filament nach der Verarbeitung mechanisch oder chemisch in seine Segmente gespalten. Es entstehen viele feine Einzelfasern mit kantigem, keilförmigem Querschnitt.

Warum Mikrofaser Schmutz und Wasser aufnimmt

Die Wirkung beruht auf drei physikalischen Effekten:

  • Große Oberfläche: Je feiner die Faser, desto größer ist die Faseroberfläche pro Gramm Material. Mehr Oberfläche bedeutet mehr Kontaktpunkte für Partikel und Flüssigkeit.
  • Kapillarwirkung: Zwischen den eng liegenden Fasern entstehen feinste Zwischenräume. Wasser und Öle werden durch Kapillarkräfte in diese Räume gezogen, das Tuch saugt also aktiv.
  • Kanten statt runder Fasern: Die gespaltenen Fasern haben scharfe Kanten. Diese Kanten heben Schmutz von der Oberfläche ab und halten ihn im Gewebe, statt ihn wie eine runde Baumwollfaser vor sich herzuschieben.

Ein zu nasses Tuch verliert diese Wirkung teilweise. Der VerbraucherService Bayern spricht hier von Aquaplaning: Das Tuch gleitet auf einem Wasserfilm, statt mit den Fasern Kontakt zur Fläche zu haben.

Welche Tuchtypen gibt es?

Mikrofasertücher unterscheiden sich in Webart, Florhöhe und Dichte. Die Dichte wird meist als Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter angegeben. Ein höheres Flächengewicht bedeutet mehr Fasermaterial, sagt aber allein noch nichts über die Faserqualität aus.

TuchtypMerkmalEinsatzHinweis
Langflor oder Plüschhoher, weicher FlorAbnehmen von Politur, Wachs und Versiegelung, Nachwischennimmt Partikel tief im Flor auf
Trockentuch, Twisted Looplange, gedrehte SchlaufenTrocknen großer Lackflächenhohe Wasseraufnahme, wird aufgelegt und gezogen
Waffelgewebewabenförmige StrukturTrocknen, Scheibenwenig Flusen, gute Saugleistung
Kurzflor oder glattdichtes, flaches GewebeGlas, Spiegel, Displaysstreifenfreies Ergebnis
Allzwecktuchmittlerer Flor, robustFelgen, Türeinstiege, Motorraumnie zurück an den Lack

Bei Tüchern für den Lack achten wir zusätzlich auf die Kanten. Eingenähte Ränder und Etiketten bestehen oft aus härterem Garn und können auf weichen Lacken feine Kratzer hinterlassen. Kantenlose oder ultraschallgeschnittene Tücher vermeiden dieses Risiko.

Wann ein Mikrofasertuch Kratzer verursacht

Ein Mikrofasertuch ist nur so schonend wie sein Zustand. Dieselbe Eigenschaft, die Partikel festhält, wird zum Problem, wenn diese Partikel beim nächsten Einsatz noch im Tuch stecken. Typische Ursachen für Swirls durch Tücher sind:

  • ein Tuch, das auf den Boden gefallen ist und Sand aufgenommen hat
  • Tücher, die zuvor an Felgen oder Schwellern im Einsatz waren
  • Trockenwischen von Staub auf dem Lack ohne vorherige Wäsche
  • hoher Druck, der Partikel in den Klarlack drückt
  • Baumwollflusen, die beim gemeinsamen Waschen in den Fasern hängen bleiben

Der VerbraucherService Bayern rät außerdem, empfindliche Oberflächen wie Acrylglas nicht mit Mikrofaser zu bearbeiten. Im Fahrzeug betrifft das zum Beispiel unbeschichtete Kunststoffscheiben. Dort setzen wir sehr weiche, saubere Tücher mit wenig Druck ein.

So setzen wir Mikrofasertücher in der Halle ein

  1. Trennung nach Einsatzbereich: Tücher für Lack, Glas, Felgen und Innenraum unterscheiden wir nach Farbe. So gelangt kein Bremsstaub von der Felge auf den Lack.
  2. Wäsche vor dem Trocknen: Ein Tuch berührt den Lack erst nach Vorwäsche und Handwäsche, nie einen staubigen Lack.
  3. Falten: Wir falten jedes Tuch, damit eine definierte, ebene Fläche arbeitet und mehrere frische Seiten zur Verfügung stehen.
  4. Ziehen statt Reiben: Beim Trocknen legen wir das Tuch auf und ziehen es mit geringem Druck. Kreisendes Reiben erhöht die Kratzergefahr.
  5. Rückstände getrennt abnehmen: Für Politur- und Versiegelungsrückstände bei der Lackaufbereitung und der Keramikversiegelung nutzen wir eigene Tücher und wechseln sie häufig, weil sich Rückstände im Flor ansammeln.
  6. Aussortieren: Jedes Tuch, das den Boden berührt hat, kommt direkt in die Wäsche oder wird nur noch als Allzwecktuch genutzt.

Auch bei der Innenraumreinigung arbeiten wir mit getrennten Tuchsätzen für Kunststoffe, Displays und Scheiben.

Waschen und Pflegen von Mikrofasertüchern

Der VerbraucherService Bayern empfiehlt, Mikrofasertücher vor der ersten Verwendung und nach jedem Gebrauch bei 60 °C zu waschen, getrennt von anderen Textilien und nicht im Schonwaschgang. Auf Weichspüler wird verzichtet, weil er die Fasern mit einem Film überzieht, verklebt und die Aufnahmefähigkeit zerstört. Ein Trockner ist meist überflüssig, da Mikrofaser an der Luft zügig trocknet. Weil beim Waschen Fasern als Mikroplastik ins Abwasser gelangen können, empfiehlt er zudem einen Waschbeutel, der gelöste Fasern zurückhält.

Tipp aus der Halle

Wasche Lacktücher nie zusammen mit Felgen- oder Werkstatttüchern. Ein einziges verschmutztes Tuch in der Trommel kann Partikel an alle anderen abgeben. Mehr zur schonenden Wäsche findest du im Ratgeber Auto waschen.

Häufige Fragen zu Mikrofasertüchern

Bei wie viel Grad wäscht man Mikrofasertücher?

Der VerbraucherService Bayern empfiehlt 60 °C, vor der ersten Verwendung und nach jedem Gebrauch. Die Tücher sollten getrennt von Baumwolle und nicht im Schonwaschgang gewaschen werden. Ein Waschmittel ist nötig, damit sich der Schmutz aus den Fasern löst. Beachte zusätzlich die Angaben auf dem Pflegeetikett des Herstellers.

Warum darf kein Weichspüler an Mikrofasertücher?

Weichspüler legt einen Film auf die Fasern und verklebt sie. Dadurch gehen die feinen Zwischenräume verloren, die für die Kapillarwirkung sorgen. Das Tuch nimmt weniger Wasser und Schmutz auf und kann auf dem Lack Schlieren hinterlassen. Ein einmal verklebtes Tuch erreicht seine ursprüngliche Leistung oft nicht mehr.

Kann ein Mikrofasertuch den Lack verkratzen?

Ein sauberes, intaktes Mikrofasertuch ist eines der schonendsten Werkzeuge für den Lack. Kratzer entstehen, wenn Partikel im Tuch stecken, etwa nach Bodenkontakt oder Einsatz an Felgen. Auch harte Nähte, Etiketten und hoher Druck können feine Kratzer verursachen. Deshalb trennen wir Tücher nach Einsatzbereich und sortieren verschmutzte Tücher konsequent aus.

Kann man Mikrofasertücher im Trockner trocknen?

Nur wenige Mikrofasertücher sind laut VerbraucherService Bayern für den Trockner geeignet. Polyester und Polyamid sind thermoplastisch, hohe Temperaturen können die Fasern verhärten. Da Mikrofaser an der Luft zügig trocknet, ist der Trockner in der Regel nicht nötig. Maßgeblich ist das Pflegeetikett des Herstellers.

Quellen: DITF Denkendorf: Kurzveröffentlichung zu Supermikrofilamenten (2010), VerbraucherService Bayern: Mikrofasertücher, Umgang und Anwendung, CHEManager: Sauber rein, schmutzig raus (2014)

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