Glanzgrad

Der Glanzgrad zeigt, wie stark dein Lack Licht spiegelt. Hier liest du, wie er nach Norm gemessen wird und was Politur und Kratzer damit zu tun haben.

Schwarzer Porsche 911 Targa von vorn nach der Lackaufbereitung

Start › Glossar › Glanzgrad

Kurz erklärt

Der Glanzgrad beschreibt, wie stark eine Oberfläche Licht gerichtet, also im Spiegelwinkel, reflektiert. Gemessen wird er nach DIN EN ISO 2813 mit einem Reflektometer unter 20°, 60° oder 85° und in Glanzeinheiten (GU) angegeben. Bezugsgröße ist ein polierter schwarzer Glasstandard mit definiertem Brechungsindex, dem der Wert 100 GU zugeordnet ist.

Glanz ist das, was Kunden nach einer Aufbereitung zuerst sehen, und zugleich eine der am häufigsten missverstandenen Größen. Ein Lack kann stark glänzen und trotzdem voller Swirls sein, oder sauber korrigiert sein und unter falschem Licht stumpf wirken. Wer den Glanzgrad physikalisch versteht, kann Ergebnisse sachlich beurteilen.

Was bestimmt den Glanz physikalisch?

Trifft Licht auf eine Oberfläche, wird ein Teil im gleichen Winkel gespiegelt, man spricht von gerichteter Reflexion. Ein anderer Teil wird in alle Richtungen gestreut, das ist die diffuse Reflexion. Je glatter eine Oberfläche ist, desto größer ist der gerichtete Anteil und desto höher der Glanzgrad. Rauheiten, Kratzer und Mikrostrukturen streuen das Licht und senken den Glanz.

Neben der Oberflächenstruktur spielt der Brechungsindex des Materials eine Rolle. Er bestimmt, wie viel Licht an der Grenzfläche überhaupt reflektiert wird. Deshalb erreichen Metalle und Spiegel sehr hohe Messwerte, während klare Lacke in einem engeren Bereich liegen. Laut Fachliteratur der Messgerätehersteller können hochreflektierende Oberflächen wie Spiegel oder verchromte Teile unter 20° bis zu 2.000 GU erreichen.

Glanz ist nicht alles: Haze, DOI und Orangenhaut

Der Glanzgrad allein beschreibt das Erscheinungsbild eines Autolacks nicht vollständig. Ergänzende Größen sind der Glanzschleier (Haze), ein milchiger Lichthof um das Spiegelbild, und die Abbildungsschärfe (DOI, Distinctness of Image), also wie scharf sich Konturen im Lack spiegeln. Eine langwellige Welligkeit der Oberfläche wird als Orangenhaut bezeichnet. Mehrwinkel-Messgeräte erfassen solche Effekte zusätzlich zum Glanz.

Wie wird der Glanzgrad gemessen?

Die Norm DIN EN ISO 2813 legt fest, wie der Glanzwert von Beschichtungen unter 20°, 60° und 85° bestimmt wird. Ein Reflektometer sendet einen Lichtstrahl unter dem gewählten Winkel auf die Probe und misst die Lichtmenge, die im Spiegelwinkel zurückkommt. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zu einem Referenzstandard gesetzt. Laut Norm ist das ein hochpolierter schwarzer Glasstandard mit einem Brechungsindex von 1,567 bei 587,6 nm, dem für jede Geometrie der Wert 100 GU zugeordnet ist.

MessgeometrieBereichAuswahlregel
60°Universalgeometrie, für alle Glanzbereiche anwendbarStandardmessung als Ausgangspunkt
20°Hochglanz, etwa Autolackewenn der 60°-Wert über 70 GU liegt
85°matte Oberflächenwenn der 60°-Wert unter 10 GU liegt

Der flache Winkel von 20° trennt hochglänzende Oberflächen besser voneinander. Der streifende Winkel von 85° zeigt dagegen feine Unterschiede bei matten Flächen. Die Auswahlregeln über 70 GU und unter 10 GU sind in der Messtechnik etabliert und werden von Geräteherstellern so empfohlen.

Wie liest du Messwerte richtig?

Glanzeinheiten sind keine Prozentwerte. Ein Lack mit 90 GU reflektiert nicht 90 Prozent des Lichts, sondern im Vergleich zum schwarzen Glasstandard unter derselben Geometrie. Werte verschiedener Messwinkel lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen. Eine Angabe ohne Winkel ist fachlich unvollständig.

Auch die Wahrnehmung ist nicht linear. Konica Minolta beschreibt, dass auf matten Flächen um 5 GU bereits ein Unterschied von 3 GU sichtbar ist, während derselbe Unterschied bei glänzenden Lacken um 60 GU mit bloßem Auge kaum auffällt. Für die Lackpflege bedeutet das: Kleine Glanzunterschiede auf Hochglanzlacken sind messbar, aber oft nicht sichtbar. Sichtbar werden dagegen Defekte, die das Spiegelbild stören.

Glanzgrad in der Lackaufbereitung

Ein verwitterter oder verkratzter Klarlack hat eine raue Oberfläche, die mehr Licht streut. Swirls, Hologramme, Wasserflecken und Oxidation senken deshalb den Glanzgrad und vor allem die Abbildungsschärfe. Eine Politur ebnet die Oberfläche ein und stellt den gerichteten Anteil der Reflexion wieder her. In der Lackaufbereitung ist ein höherer Glanz daher meist die Folge einer glatteren Oberfläche, nicht eines aufgetragenen Mittels.

Ein typisches Missverständnis betrifft Glanzpolituren mit Füllstoffen. Diese lassen feine Kratzer optisch verschwinden und heben den Glanz kurzfristig an, ohne den Defekt zu beseitigen. Nach einigen Wäschen sind die Kratzer wieder sichtbar. Deshalb entfetten wir nach jeder Korrektur und beurteilen den Lack ohne Füllstoffe.

Beim Mattlack ist ein niedriger Glanzgrad gewollt. Seine Oberfläche ist so strukturiert, dass sie Licht diffus streut. Jede Politur würde diese Struktur glätten und glänzende Stellen erzeugen. Mattlack polieren wir deshalb nie. Eine Keramikversiegelung mit NGC+ von Artdeshine ist laut Hersteller auch für Mattlack geeignet und schützt ihn, ohne den Glanzgrad zu verändern.

So beurteilen wir Glanz in der Halle

  1. Gründlich reinigen: Schmutz und Rückstände verfälschen jede Beurteilung, deshalb steht die Wäsche mit Dekontamination am Anfang.
  2. Entfetten: Wachse, Öle und Füllstoffe überdecken Defekte. Erst ein entfetteter Lack zeigt seinen tatsächlichen Zustand.
  3. Inspektion unter mehreren Lichtquellen: Punktförmiges Licht macht Kratzer und Hologramme sichtbar, flächiges Licht zeigt Trübungen und Schleier. Beides zusammen ergibt ein vollständiges Bild.
  4. Referenzflächen festlegen: Wir vergleichen behandelte und unbehandelte Bereiche desselben Bauteils, etwa mit einer Abklebung. So bleibt der Unterschied objektiv nachvollziehbar.
  5. Korrektur und Finish: Für maximalen Glanz endet die Politur mit einer feinen Stufe, die die Mikrostruktur der vorherigen Stufe einebnet.
  6. Schutz: Eine Versiegelung bewahrt die geglättete Oberfläche vor neuen Waschkratzern und damit den Glanz. Vorher und nachher dokumentieren wir den Zustand fotografisch, Beispiele zeigen wir unter Ergebnisse.

Tipp aus der Halle

Beurteile deinen Lack nie nur in der Sonne oder nur in der Garage. Direktes Sonnenlicht zeigt Kratzer, diffuses Tageslicht zeigt Schleier und Farbtiefe. Erst beides zusammen sagt dir, ob der Glanz echt ist.

Häufige Fragen zum Glanzgrad

In welcher Einheit wird der Glanzgrad angegeben?

Der Glanzgrad wird in Glanzeinheiten angegeben, international als GU (Gloss Units). Die Skala bezieht sich auf einen polierten schwarzen Glasstandard, dem für jede Messgeometrie der Wert 100 GU zugeordnet ist. Spiegel und verchromte Teile können deshalb weit über 100 GU erreichen. Zu jedem Wert gehört die Angabe des Messwinkels, sonst ist er nicht vergleichbar.

Welcher Messwinkel wird für Autolack verwendet?

Ausgangspunkt ist die 60°-Messung nach DIN EN ISO 2813. Liegt der Wert über 70 GU, wie bei den meisten intakten Autolacken, wird mit 20° gemessen, weil dieser Winkel Hochglanzflächen besser unterscheidet. Matte Oberflächen unter 10 GU werden mit 85° gemessen. Bei Mattlack ist daher die 85°-Geometrie aussagekräftiger.

Warum verliert Autolack seinen Glanz?

Glanzverlust entsteht, wenn die Oberfläche rauer wird und mehr Licht streut. Ursachen sind Waschkratzer, Verwitterung durch UV-Strahlung, eingeätzte Rückstände wie Vogelkot oder Wasserflecken und Ablagerungen. Solange die Schäden im Klarlack liegen, lässt sich der Glanz durch eine Politur meist wiederherstellen. Löst sich der Klarlack bereits ab, hilft nur eine Neulackierung.

Erhöht eine Versiegelung den Glanzgrad?

Eine Versiegelung kann den optischen Eindruck verbessern, weil sie eine sehr glatte Schicht bildet. Den größten Einfluss auf den Glanz hat aber die Glätte des Klarlacks darunter. Kratzer und Hologramme bleiben unter einer Versiegelung sichtbar. Deshalb korrigieren wir den Lack, bevor wir ihn versiegeln.

Was ist der Unterschied zwischen Glanz und Abbildungsschärfe?

Der Glanzgrad misst, wie viel Licht im Spiegelwinkel reflektiert wird. Die Abbildungsschärfe (DOI) beschreibt, wie scharf ein Objekt im Lack abgebildet wird. Ein Lack kann einen hohen Glanzwert haben und trotzdem unscharf spiegeln, etwa bei Orangenhaut oder Glanzschleier. Für das Erscheinungsbild eines Autolacks sind beide Größen wichtig.

Quellen: DIN Media: DIN EN ISO 2813, Bestimmung des Glanzwertes unter 20°, 60° und 85°, Polymer Service GmbH Merseburg: Glanzmessung (Referenzstandard), Konica Minolta Sensing: Gloss Standards and Units, Wikipedia: Glossmeter (Auswahlregeln 70 GU und 10 GU)

Dein Richtpreis
in 60 Sekunden.

Wähl die Leistung, beantworte ein paar kurze Fragen und sieh direkt deinen Richtpreis. Felix meldet sich dann persönlich bei dir.

Porträt von Felix Meilinger, Ansprechpartner bei Autopflege Meilinger

Felix Meilinger

Dein Ansprechpartner

Lieber direkt sprechen?

Von der ersten Frage bis zur Abholung hast du einen Ansprechpartner. Ruf an, schreib oder buch dir einen Termin.

0171 7532515 info@autopflege-meilinger.de

Montag bis Samstag, 9 bis 17 Uhr