Kurz erklärt
Klarlack ist die oberste, pigmentfreie Schicht einer Zweischicht-Decklackierung aus Basislack und Klarlack. Er besteht aus vernetzten Kunstharzen, etwa Polyurethan- oder Acrylat-Melamin-Systemen, und enthält UV-Absorber und Lichtschutzmittel. Klarlack erzeugt Glanz und Tiefenwirkung und schützt den farbgebenden Basislack vor UV-Strahlung, Witterung, Chemikalien und mechanischer Belastung. Fast jede Politur und Versiegelung findet im oder auf dem Klarlack statt.
Wenn wir in der Halle von Lack sprechen, meinen wir fast immer den Klarlack. Er ist die Schicht, die Waschkratzer, Wasserflecken und Vogelkot abbekommt, und zugleich die einzige, in der wir korrigieren dürfen. Wer seinen Aufbau und seine Grenzen kennt, versteht, warum fachgerechte Lackpflege mit möglichst wenig Abtrag arbeitet.
Wo liegt der Klarlack im Lackaufbau?
Eine Serienlackierung besteht aus mehreren Funktionsschichten, die jeweils eine eigene Aufgabe erfüllen. Die folgende Übersicht zeigt den klassischen Aufbau mit typischen Größenordnungen aus der Fachliteratur. Die einzelnen Werte schwanken je nach Hersteller, Werk und Farbton.
| Schicht | Aufgabe | typische Dicke |
|---|---|---|
| Vorbehandlung und kathodische Tauchlackierung (KTL) | Korrosionsschutz und Haftung | zusammen etwa 20 µm |
| Füller | Ausgleich von Unebenheiten, Steinschlagschutz | circa 35 µm |
| Basislack | Farbton und Effekt, etwa Metallic oder Perlmutt | Decklack aus Basis- und Klarlack zusammen etwa 55–65 µm |
| Klarlack | Glanz, Tiefenwirkung, Schutz vor UV, Witterung, Chemikalien und Kratzern | |
| Gesamtaufbau | ideale Serienlackierung | meist etwa 80–130 µm |
Moderne Lackierwerke setzen zunehmend integrierte Prozesse ein. Dabei übernimmt eine erste Basislackschicht die Aufgabe des Füllers, und der Gesamtaufbau wird dünner. Zum Vergleich nennt die Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung für ein menschliches Haar einen Durchmesser von durchschnittlich 70 µm.
Nicht jede Lackierung hat einen separaten Klarlack. Früher waren Uni-Farbtöne häufig einschichtig lackiert, heute werden laut Fachliteratur auch Unifarben überwiegend zweischichtig aufgebaut. Einschicht-Decklacke kommen aber weiterhin vor, etwa bei Reparatur- oder Nutzfahrzeuglackierungen. Einschichtlacke reagieren auf Politur anders, weil der Abtrag direkt pigmentiertes Material betrifft.
Woraus besteht Klarlack und wie härtet er?
Klarlack ist ein Bindemittelsystem ohne Farbpigmente. In der Serie dominieren laut Fachliteratur auch in Europa lösemittelhaltige Klarlacke, als Einkomponenten- (1K) oder Zweikomponentensystem (2K). Bei 2K-Klarlacken werden Stammlack und Härter erst kurz vor der Applikation gemischt. Ein hydroxyfunktionelles Harz, meist ein Acrylatpolymer, reagiert dabei mit einem Polyisocyanat zu einem Polyurethan-Netzwerk. Automobilhersteller setzen 2K-Klarlack vor allem wegen der höheren Chemikalienbeständigkeit und des Erscheinungsbilds ein. 1K-Systeme vernetzen dagegen erst beim Einbrennen, typischerweise über Melaminharze.
In der Serienlackierung werden Basis- und Klarlack gemeinsam bei etwa 130–150 °C für 15–30 Minuten eingebrannt. Reparaturklarlacke härten bei deutlich niedrigeren Temperaturen. Ein gängiger 2K-Polyurethan-Reparaturklarlack trocknet laut Herstellerdatenblatt bei 20 °C in 10 Stunden oder bei 60 °C in 30 Minuten und wird mit 40–60 µm Schichtdicke aufgetragen. Die chemische Vernetzung erzeugt ein dreidimensionales Netzwerk. Es bestimmt Härte, Elastizität und Beständigkeit des Klarlacks.
UV-Absorber und Lichtschutzmittel
Damit der Klarlack selbst und der Basislack darunter nicht unter UV-Strahlung abgebaut werden, enthält er Additive. UV-Absorber nehmen energiereiche Strahlung auf und wandeln sie in Wärme um. Lichtschutzmittel vom Typ HALS (Hindered Amine Light Stabilizers) fangen Radikale ab, die beim photochemischen Abbau entstehen. Additivhersteller beschreiben die Kombination beider Stoffklassen als Standard für Serien- und Reparaturklarlacke. Diese Additive wirken in der gesamten Schicht. Jede Politur, die Klarlack abträgt, verringert deshalb auch die Menge an Schutzsubstanz über dem Basislack.
Was schädigt den Klarlack?
| Ursache | Merkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Waschen und Trocknen mit Schmutzpartikeln | feine kreisförmige Kratzer (Swirls) | Politur je nach Tiefe, schonende Handwäsche |
| Vogelkot, Insekten, Baumharz | matte, teils vertiefte Ätzspuren | zeitnah entfernen, bei Ätzung polieren |
| Eingetrocknetes, mineralhaltiges Wasser | Kalkränder oder eingeätzte Wasserflecken | gründlich trocknen, Rückstände entfernen |
| Eingebrannte Metallpartikel | raue Oberfläche, rostbraune Punkte (Flugrost) | chemische und mechanische Dekontamination |
| Langjährige UV-Belastung ohne Schutz | Glanzverlust, im Endstadium Ablösung des Klarlacks | frühzeitig schützen, bei Ablösung neu lackieren |
Die ersten vier Schadensbilder liegen meist innerhalb des Klarlacks und lassen sich häufig korrigieren. Löst sich der Klarlack dagegen vom Basislack, ist der Schichtverbund zerstört. Dann hilft keine Politur mehr, das Bauteil muss lackiert werden.
Warum jede Politur Klarlack kostet
Polieren ist ein kontrollierter Abtrag. Wir schleifen den Klarlack mit feinen Schleifkörnern so weit ein, bis die Flanken eines Kratzers eingeebnet sind oder der Kratzer zumindest flacher wird. Das funktioniert nur, solange genügend Klarlack vorhanden ist. Kratzer, die bis in den Basislack oder bis zur Grundierung reichen, lassen sich nicht wegpolieren.
Die Schwierigkeit: Wie dick der Klarlack an einer bestimmten Stelle noch ist, lässt sich zerstörungsfrei nicht direkt bestimmen. Handelsübliche Messgeräte zeigen nur die Summe aller Schichten an. Deshalb messen wir vor jeder Korrektur die Lackschichtdicke, werten Abweichungen zwischen benachbarten Bauteilen aus und arbeiten mit der mildesten Kombination, die das Ziel erreicht. Mattlack polieren wir grundsätzlich nicht, weil seine Mattierung auf einer gezielten Oberflächenstruktur beruht, die jede Politur glätten würde.
So behandeln wir den Klarlack in der Halle
- Wäsche und Dekontamination: Lose und festsitzende Partikel werden entfernt, damit beim Polieren keine neuen Kratzer entstehen.
- Messung: Wir messen die Gesamtschichtdicke je Bauteil und erkennen so Nachlackierungen und Zonen mit wenig Reserve.
- Inspektion: Unter verschiedenen Lichtquellen bestimmen wir Art und Tiefe der Defekte.
- Testfläche: Wir ermitteln die mildeste wirksame Kombination aus Politur, Pad und Maschine, um so wenig Klarlack wie möglich abzutragen.
- Korrektur: Bei der Lackaufbereitung arbeiten wir ein- bis mehrstufig. Einstufig dauert etwa 1 Tag, dreistufig 2 bis 3 Tage.
- Kontrolle und Schutz: Nach dem Entfetten prüfen wir das Ergebnis ohne Füllstoffe. Danach schützt eine Keramikversiegelung den Klarlack, damit Alltagsbelastungen zuerst die Versiegelung treffen.
Tipp aus der Halle
Betrachte den Klarlack als Verschleißschicht mit begrenzter Reserve. Ein früher Schutz und eine schonende Wäsche sparen dir spätere Polituren. Die Unterschiede zwischen Keramik und Wachs erklären wir im Ratgeber Keramikversiegelung oder Wachs.
Häufige Fragen zu Klarlack
Wie dick ist der Klarlack am Auto?
Laut Fachliteratur ist der Decklack aus Basis- und Klarlack in der Serie zusammen etwa 55 bis 65 µm dick, der Klarlack ist ein Teil davon. Der gesamte Lackaufbau liegt meist bei etwa 80 bis 130 µm. Reparaturklarlacke werden laut Herstellerdatenblatt oft mit 40 bis 60 µm aufgetragen. Wie viel Klarlack an einer Stelle noch vorhanden ist, lässt sich zerstörungsfrei nicht direkt messen.
Kann man abblätternden Klarlack polieren?
Nein. Wenn sich der Klarlack vom Basislack löst, ist der Schichtverbund selbst geschädigt. Eine Politur würde die Kanten der Ablösung weiter aufreißen und den Schaden vergrößern. Das betroffene Bauteil muss fachgerecht angeschliffen und neu lackiert werden.
Hat jedes Auto einen Klarlack?
Die meisten modernen Pkw haben einen Zweischichtaufbau aus Basislack und Klarlack, inzwischen auch bei Unifarben. Einschicht-Decklacke ohne separaten Klarlack kommen aber weiterhin vor, etwa bei Nutzfahrzeugen oder Reparaturlackierungen. Bei ihnen trägt eine Politur direkt pigmentiertes Material ab. Deshalb klären wir vor jeder Korrektur, welcher Aufbau vorliegt.
Woran erkennst du, dass der Klarlack geschädigt ist?
Erste Anzeichen sind Glanzverlust, eine raue Oberfläche und Kratzer, die im Sonnenlicht sichtbar werden. Bei fortgeschrittener UV-Schädigung wirkt der Lack fleckig oder milchig, im Endstadium löst sich der Klarlack in Schollen ab. Solange die Schäden innerhalb der Schicht liegen, ist oft eine Politur möglich. Bei Ablösungen hilft nur eine Neulackierung.
Quellen: Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung: Merkblatt Gesamtschichtdicke (2025), Herrle, T.: Dissertation zur Automobilserienlackierung, Cuvillier Verlag (Leseprobe), Glasurit: Technische Information Klarlack VOC 923-666, Clariant: Lichtschutzmittel für Automobil-Außenlacke

