Kurz erklärt
Alcantara ist der Markenname eines in Italien hergestellten Mikrofaser-Verbundwerkstoffs mit wildlederähnlicher Oberfläche. Laut Hersteller besteht er zu 68 Prozent aus Polyester und zu 32 Prozent aus Polyurethan. Feinste Polyesterfasern bilden einen Vliesstoff, den Polyurethan bindet. Im Fahrzeug bezieht Alcantara Sitze, Lenkräder, Dachhimmel und Verkleidungen und verlangt eine schonende, feuchtearme Reinigung.
Alcantara fühlt sich an wie Wildleder, verhält sich bei der Reinigung aber wie ein feines technisches Textil. In der Halle sehen wir vor allem Lenkräder und Sitzwangen, deren Flor verklebt und speckig glänzt. Fast immer lässt sich der Zustand verbessern, wenn man den Aufbau des Materials kennt und auf Nässe, Hitze und Reibung verzichtet.
Wie ist Alcantara aufgebaut?
Das Material wurde Ende der 1960er-Jahre von Forschern des japanischen Chemiekonzerns Toray entwickelt, in Japan erhielt es 1969 Patentschutz. Hergestellt wird Alcantara heute in Italien. Am Anfang stehen sogenannte Matrix-Fibrillen-Fasern: In einer Matrix aus Polystyrol liegen zahlreiche feinste Polyesterfibrillen. Diese Fasern werden geschnitten und durch Krempeln zu einem Vliesstoff verarbeitet. Anschließend wird das Polystyrol herausgelöst, zurück bleiben die extrem feinen Polyesterfasern. Eine Imprägnierung mit Polyurethan verbindet sie zu einem stabilen Flächengebilde. Zum Schluss wird das Material ähnlich wie Samt aufgespalten, die freistehenden Faserenden bilden den typischen Velours.
Die am häufigsten eingesetzte Qualität besteht laut Fachliteratur aus 67 ± 3 Prozent Polyester und 33 ± 3 Prozent Polyurethan und ist etwa 0,83 mm dick. Der Hersteller selbst nennt 68 zu 32 Prozent und hebt Atmungsaktivität, geringes Gewicht und Griffigkeit hervor. In Japan wird das Material als Ecsaine, in Nordamerika als Ultrasuede vermarktet.
Abgrenzung zu Wildleder und anderen Mikrofaserstoffen
Wildleder ist Naturleder, dessen Oberfläche angeschliffen wurde, sodass die Kollagenfasern der Haut einen Flor bilden. Alcantara enthält keine tierischen Bestandteile, Leder- und Lederpflegeprodukte sind dafür ungeeignet. Andere Mikrofaser-Veloursstoffe sehen ähnlich aus, unterscheiden sich aber in Faser, Bindung und Pflegeempfehlung. Ob tatsächlich Alcantara verbaut ist, verrät meist die Ausstattungsliste des Fahrzeugs.
Wie altert Alcantara im Fahrzeug?
Der Velours lebt davon, dass die feinen Faserenden aufrecht stehen und Licht streuen. Alles, was die Fasern verklebt oder niederdrückt, verändert Optik und Griff.
| Ursache | Merkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Hautfett, Schweiß, Handcreme | dunkle, speckig glänzende Stellen an Lenkrad, Schaltknauf, Armauflage | Fett lösen, Flor wieder aufbürsten |
| Reibung beim Ein- und Aussteigen | verdichteter, flach liegender Flor an Sitzwangen | Trockenreinigung, sanftes Aufbürsten |
| Staub und Sandkörner im Flor | stumpfe Fläche, beschleunigter Abrieb | regelmäßig absaugen und ausbürsten |
| zu nasse Reinigung | Wasserränder, durchfeuchtete Polsterung | feuchtearm arbeiten, vollständig trocknen |
| Reiben und kreisende Bewegungen | verfilzte, pillende Oberfläche | tupfen statt reiben, in Strichrichtung bürsten |
Was der Hersteller zur Reinigung vorgibt
Der Hersteller unterscheidet drei Intervalle. Zur täglichen Pflege genügt eine weiche Bürste, ein trockenes Tuch oder ein Staubsauger. Wöchentlich empfiehlt er ein leicht angefeuchtetes, weißes Baumwolltuch, bedruckte Tücher und Küchenpapier sollen vermieden werden, weil sie abfärben können. Für die gründliche Reinigung wird ein weiches Tuch oder ein Schwamm mit klarem Wasser angefeuchtet, gut ausgewrungen und über die Fläche geführt, ohne sie zu durchnässen. Danach soll das Material über Nacht trocknen und anschließend sanft gebürstet werden. Ausdrücklich abgeraten wird von starkem Reiben und von Dampfreinigern.
Flecken nach Art behandeln
- Grundregel: Flecken sofort behandeln, von außen nach innen arbeiten und tupfen statt reiben. Reinigungsmittel nie direkt auf das Material geben.
- Wasserlösliche Flecken wie Kaffee, Saft oder Wein: mit lauwarmem Wasser auswaschen.
- Wasserunlösliche Flecken wie Öl, Lippenstift oder Gras: laut Hersteller zuerst mit Ethylalkohol, danach mit Wasser abtupfen.
- Eiweißhaltige Flecken wie Blut oder Ei: kein warmes Wasser, weil Eiweiß bei Wärme gerinnt und sich festsetzt.
Typische Fehler und Missverständnisse
- Lederpflege auf Alcantara: Fett- und wachshaltige Lederprodukte verkleben den Flor, statt ihn zu pflegen.
- Zu viel Wasser: Klassische Polsterreinigung mit viel Flüssigkeit durchfeuchtet Material und Schaum darunter. Beim Trocknen wandert gelöster Schmutz an den Rand der feuchten Zone und hinterlässt Ränder.
- Dampf und Hitze: Wärme kann das Polyurethan-Bindemittel und den Kleber darunter belasten. Der Hersteller rät von Dampfreinigern ab.
- Harte Bürsten: Steife Borsten reißen Fasern heraus und rauen die Oberfläche auf. Geeignet sind weiche Naturhaar- oder feine Kunststoffborsten.
So reinigen wir Alcantara in der Halle
- Material bestätigen: Wir prüfen, ob Alcantara, ein anderer Mikrofaservelours oder Wildleder vorliegt, weil die Pflegeempfehlungen voneinander abweichen.
- Trocken reinigen: Absaugen mit weicher Bürstendüse und Ausbürsten entfernt Partikel, die beim Nassreinigen sonst wie Schleifmittel wirken.
- Testfläche: An einer verdeckten Stelle prüfen wir Farbechtheit und Reaktion auf die Reinigungslösung.
- Reinigungslösung indirekt auftragen: Die Lösung kommt auf Tuch oder Schaum, nie direkt auf die Fläche. Wir arbeiten abschnittsweise und in geraden Bahnen statt kreisend.
- Gelöstes aufnehmen: Mit einem feuchten, gut ausgewrungenen Mikrofasertuch nehmen wir Fett und Reinigerreste auf, bis das Tuch sauber bleibt.
- Trocknen ohne Hitze: Das Material trocknet bei Raumtemperatur vollständig durch. Heißluft würde die Fasern belasten und Ränder begünstigen.
- Flor aufrichten: Zum Schluss bürsten wir den Velours mit einer weichen Bürste in eine einheitliche Richtung auf.
Diese Arbeitsschritte sind Teil unserer Innenraumreinigung. Speckige Lenkräder und Sitzwangen fallen besonders bei der Aufbereitung zur Leasingrückgabe auf, weil sie den Gesamteindruck des Innenraums prägen.
Tipp aus der Halle
Bürste ein Alcantara-Lenkrad alle paar Wochen trocken mit einer weichen Bürste aus und wische es mit einem leicht feuchten, weißen Baumwolltuch ab. So setzt sich Hautfett gar nicht erst im Flor fest.
Häufige Fragen zu Alcantara
Ist Alcantara Leder?
Nein. Alcantara ist ein synthetischer Verbundwerkstoff aus Polyester-Mikrofasern und Polyurethan, laut Hersteller im Verhältnis 68 zu 32 Prozent. Die Oberfläche erinnert an Wildleder, enthält aber keine tierischen Bestandteile. Deshalb sind Lederreiniger und Lederpflegemittel nicht geeignet. Fett- und wachshaltige Produkte verkleben den Flor.
Wie reinigt man ein Alcantara-Lenkrad?
Zuerst wird der Flor trocken ausgebürstet, damit Staub und Partikel entfernt sind. Danach nimmst du Hautfett mit einem leicht feuchten, gut ausgewrungenen weißen Tuch auf, ohne zu reiben. Bei hartnäckigen Fettstellen empfiehlt der Hersteller Ethylalkohol, danach Wasser, jeweils getupft und nie direkt aufgetragen. Nach vollständiger Trocknung wird der Flor mit einer weichen Bürste aufgerichtet.
Darf man Alcantara mit Dampf reinigen?
Der Hersteller rät ausdrücklich davon ab, Alcantara mit Dampfreinigern zu behandeln. Hitze und Feuchte können das Material, das Polyurethan-Bindemittel und den Kleber darunter belasten. Zudem drückt der Dampfstrahl den Flor nieder und bringt mehr Feuchte ein als nötig. Sicherer ist eine feuchtearme Reinigung mit Tuch und weicher Bürste.
Kann man speckiges Alcantara wieder aufbereiten?
In vielen Fällen ja. Der Glanz entsteht meist durch Fett, das die Faserenden verklebt und flach legt. Wird das Fett gelöst und der Flor anschließend aufgebürstet, kehrt der matte Velours oft weitgehend zurück. Sind die Fasern dagegen abgerieben oder verfilzt, lässt sich das Material nicht mehr vollständig wiederherstellen.
Quellen: Alcantara: The Material, Alcantara: Reinigungsanleitung, Alcantara: Fleckenentfernung, Wikipedia: Alcantara (Mikrofaserstoff)

