Kurz erklärt
Grundierung ist die erste Beschichtung auf dem Untergrund eines Fahrzeugbauteils, etwa auf Stahl, verzinktem Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Die Grundierung dient vor allem dem Korrosionsschutz und der Haftung aller folgenden Lackschichten. In der Serienlackierung übernimmt meist die kathodische Tauchlackierung (KTL) diese Aufgabe, in der Reparaturlackierung Haftprimer, Grundierfüller oder Epoxidgrundierungen.
Die Grundierung bekommst du an einem intakten Auto nie zu sehen. In der Halle wird sie trotzdem zur entscheidenden Grenze: Kratzer, die bis zur Grundierung reichen, lassen sich nicht wegpolieren. Wer ihre Lage und Aufgabe im Lackaufbau kennt, kann Schäden richtig einordnen.
Wo liegt die Grundierung im Lackaufbau?
Die Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung gliedert eine Fahrzeuglackierung in drei Abschnitte. Die Grundierung gehört zur Grundbeschichtung, die direkt auf dem Substrat liegt, also auf dem Werkstoff des Bauteils.
| Abschnitt | Schichten | Aufgabe |
|---|---|---|
| Grundbeschichtung | Vorbehandlung wie Phosphatierung, KTL, Grundierungen und Primer | Korrosionsschutz und Haftung der Folgeschichten |
| Zwischenbeschichtung | Füller, Schleiffüller, Nass-in-Nass-Füller, Spachtel in der Reparatur | geschlossene, gleichmäßige und spannungsfreie Oberfläche |
| Schlussbeschichtung | Basislack und Klarlack oder Einschicht-Decklack | Farbton, Effekt, Glanz und Witterungsschutz |
Laut Fachliteratur beträgt die Schichtdicke von Vorbehandlung und Grundierung in der Serie zusammen etwa 20 µm. Darauf folgen der Füller mit circa 35 µm und der Decklack aus Basis- und Klarlack mit etwa 55 bis 65 µm. Der gesamte Serienaufbau liegt laut Deutscher Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung meist zwischen 80 und 130 µm.
Wie entsteht die Grundierung in der Serie?
Vor der Grundierung wird die Rohkarosse gereinigt und vorbehandelt. Stand der Technik ist laut Fachliteratur die Zinkphosphatierung. Dabei bildet sich auf dem Metall eine dünne kristalline Schicht, die als Korrosionsbarriere wirkt und die Haftung der Folgeschichten verbessert.
Kathodische Tauchlackierung (KTL)
Die eigentliche Grundierung wird seit Mitte der 1970er-Jahre weltweit überwiegend als kathodische Tauchlackierung aufgebracht. Die gesamte Karosse taucht in ein Lackbad und wird als Kathode, also als negativer Pol, in einen Gleichstromkreis geschaltet. An der Oberfläche entstehen Hydroxidionen, die das Bindemittel entstabilisieren, sodass sich die Lackpartikel auf dem Blech abscheiden. Mit wachsender Schichtdicke steigt der elektrische Widerstand, bis die Abscheidung von selbst endet.
Dieses Prinzip erklärt die besondere Stärke der KTL. Weil die gesamte Karosse eintaucht, wird die Grundierung auch in Hohlräumen, Falzen und auf Innenseiten abgeschieden, die eine Spritzpistole kaum erreicht. Die entstehenden Schichten sind laut Fachliteratur etwa 18 bis 22 µm dick. Anschließend wird die Beschichtung je nach Zusammensetzung bei mehr als 175 °C über mehr als 20 Minuten eingebrannt und durch Schleifen von Unebenheiten befreit.
Welche Grundierungen gibt es in der Reparaturlackierung?
In der Werkstatt lässt sich keine Karosse tauchen. Reparaturlackierer verwenden deshalb Spritzgrundierungen, die auf den jeweiligen Untergrund abgestimmt sind. Welche Produkte und Schichtdicken fachgerecht sind, legen die technischen Merkblätter der Lackhersteller fest.
- Haftprimer: sehr dünne Schicht für Untergründe mit schwacher Lackhaftung, etwa blankes Metall, Aluminium oder bestimmte Kunststoffe.
- Epoxidgrundierung: zweikomponentige Grundierung mit hoher Haftung und gutem Korrosionsschutz, häufig auf blankem Stahl.
- Grundierfüller: kombiniert Korrosionsschutz, Haftung und Füllwirkung in einem Material und wird danach geschliffen.
- Nass-in-Nass-Füller: wird ohne Zwischenschliff überlackiert und spart einen Arbeitsgang.
Wie weit die Schichtdicken je nach Anwendung auseinanderliegen, zeigt das Beispiel eines Grundfüllers aus der Fahrzeugreparatur. Laut technischer Information des Herstellers wird er als Grundierung mit 10 bis 20 µm, als Nass-in-Nass-Füller mit 30 bis 40 µm, als Grundfüller mit 50 bis 70 µm und als High-Build-Füller mit 80 bis 120 µm aufgetragen. Bei Lufttrocknung nennt der Hersteller eine Mindesttemperatur von 15 °C. Geschliffen wird der Grundfüller mit dem Exzenter in Körnung P400 bis P500.
Grundierung, Füller und Spachtel: die Unterschiede
Im Alltag werden Grundierung und Füller oft gleichgesetzt, weil beide unter dem Decklack liegen und häufig grau sind. Fachlich erfüllen sie unterschiedliche Aufgaben. Die Grundierung schützt das Metall und schafft Haftung. Der Füller ebnet die Oberfläche ein, gleicht feine Schleifspuren aus und nimmt Stoßenergie auf, etwa bei Steinschlag. Spachtel gleicht größere Unebenheiten aus und gehört nach der Deutschen Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung zur Zwischenbeschichtung.
Auch die Farbe ist kein verlässliches Erkennungsmerkmal. Serienfüller werden zunehmend farbig auf den Basislack abgestimmt, und KTL-Grundierungen erscheinen meist grau oder schwarz. Wer an einem Schaden einen grauen Grund sieht, weiß deshalb noch nicht sicher, ob Füller oder Grundierung freiliegt. Klar ist nur: Der Schaden reicht durch Klarlack und Basislack.
Warum Kratzer bis zur Grundierung nicht polierbar sind
Polieren ist ein kontrollierter Abtrag von Klarlack. Wir ebnen die Kanten eines Kratzers ein, bis er flacher wird oder verschwindet. Reicht ein Kratzer bis zur Grundierung, fehlen an dieser Stelle Basislack und Klarlack vollständig. Kein Poliermittel kann fehlendes Material ersetzen. Jeder weitere Abtrag würde die Umgebung nur dünner machen und den Schaden nicht beheben. Liegt blankes Metall frei, kommt Korrosion hinzu.
So prüfen wir in der Halle
- Reinigung: Wir entfernen Schmutz und Wachsreste, damit Kratzer nicht tiefer oder flacher wirken, als sie sind.
- Inspektion: Unter Inspektionslicht prüfen wir, ob am Grund des Kratzers Farbe, ein grauer oder dunkler Grund oder Metall sichtbar ist.
- Messung: Wir messen die Lackschichtdicke magnetinduktiv auf Stahl oder per Wirbelstrom auf Aluminium, um die verbleibende Reserve einzuschätzen.
- Testfläche: Bei Kratzern im Klarlack ermitteln wir die mildeste wirksame Kombination aus Politur und Pad, um so wenig Material wie möglich abzutragen.
- Empfehlung: Freiliegende Grundierung oder blankes Metall gehören in die Hände eines Lackierbetriebs. Die Lackaufbereitung und eine anschließende Keramikversiegelung folgen erst danach.
Tipp aus der Halle
Fahre mit dem Fingernagel quer über einen Kratzer. Bleibt der Nagel deutlich hängen, reicht der Schaden meist tiefer als der Klarlack. Eine sichere Einordnung ersetzt dieser Test nicht, er hilft dir aber bei der ersten Einschätzung.
Häufige Fragen zu Grundierung
Was ist der Unterschied zwischen Grundierung und Füller?
Die Grundierung liegt direkt auf dem Blech oder Kunststoff und sorgt für Korrosionsschutz und Haftung. Der Füller liegt darüber und ebnet die Oberfläche ein, gleicht feine Unebenheiten aus und erhöht die Steinschlagbeständigkeit. In der Reparaturlackierung gibt es Grundierfüller, die beide Aufgaben in einem Material vereinen. Bei modernen Serienprozessen übernimmt teils eine erste Basislackschicht die Rolle des Füllers.
Kann man einen Kratzer bis zur Grundierung wegpolieren?
Nein. Reicht ein Kratzer bis zur Grundierung, fehlen an dieser Stelle Basislack und Klarlack vollständig. Eine Politur trägt nur Material ab und kann keines ergänzen. Der Schaden muss durch einen Lackierbetrieb fachgerecht ausgebessert werden. Erst danach ist eine Politur der Umgebung sinnvoll.
Welche Farbe hat die Grundierung beim Auto?
KTL-Grundierungen erscheinen meist grau oder schwarz, Reparaturgrundierungen und Füller gibt es in verschiedenen Grautönen und Farben. Serienfüller werden zunehmend farblich an den Basislack angepasst. Die Farbe allein zeigt deshalb nicht sicher, welche Schicht freiliegt. Eindeutig ist nur, dass ein Schaden mit grauem oder dunklem Grund durch Klar- und Basislack reicht.
Wie dick ist die Grundierung?
In der Serienlackierung sind Vorbehandlung und KTL-Grundierung laut Fachliteratur zusammen etwa 20 µm dick, die KTL allein etwa 18 bis 22 µm. In der Reparatur hängt die Schichtdicke vom Produkt und vom Einsatzzweck ab. Ein Grundfüller wird laut Herstellerangabe als reine Grundierung mit 10 bis 20 µm aufgetragen, als Füller mit bis zu 120 µm. Zerstörungsfrei lässt sich die Grundierung nicht einzeln messen, Messgeräte zeigen nur die Gesamtschichtdicke.
Quellen: Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung: Merkblatt Gesamtschichtdicke (2025), Herrle, T.: Dissertation zur Automobilserienlackierung, Cuvillier Verlag (Leseprobe), Glasurit: Technische Information Grundfüller Pro 285-270

