Kurz erklärt
Polierpaste ist ein Poliermittel aus feinen Schleifkörnern, für Autolack häufig Aluminiumoxid, die in einem Träger aus Wasser, Ölen, Wachsen und Emulgatoren verteilt sind. Beim Polieren trägt sie mikroskopisch dünne Lackschichten ab und ebnet so Kratzer und Rauheiten ein. Grobe Pasten dienen dem Abtrag, feine Pasten dem Hochglanz.
Die Polierpaste ist das eigentliche Werkzeug der Lackkorrektur, Maschine und Pad übertragen nur die Bewegung. Welche Paste wir wählen, entscheidet darüber, wie viel Klarlack ein Kratzer kostet. Deshalb arbeiten wir nach dem Grundsatz: so mild wie möglich, so kräftig wie nötig.
Woraus besteht eine Polierpaste?
Jede Polierpaste kombiniert zwei Bestandteile: Poliermineralien, die den Abtrag leisten, und einen Träger, der die Anwendung ermöglicht. Der Träger besteht typischerweise aus Fetten, Wachsen, Kohlenwasserstoffen, Emulgatoren, Additiven und Wasser. Er hält die Körner in der Schwebe, schmiert zwischen Pad und Lack und führt Wärme ab.
Für Fahrzeuglacke werden häufig Schleifkörner aus Aluminiumoxid eingesetzt, einem sehr harten, technisch hergestellten Material. Eine Patentschrift eines Schleifmittelherstellers beschreibt Polierpasten für die Fahrzeuglackierung zusätzlich mit Rheologiemodifizierern, Schmierstoffen, Suspensionshilfen, Dispergiermitteln und Tensiden. Für andere Werkstoffe kommen andere Mineralien zum Einsatz, etwa Ceroxid für Glas.
Warum silikonfrei?
Professionelle Polierpasten für den Lackierbereich sind in der Regel silikonfrei. Silikonrückstände können bei einer späteren Lackierung Benetzungsstörungen verursachen, weil sie die Oberflächenspannung des Untergrunds herabsetzen. Pasten mit Silikonölen oder Füllstoffen können außerdem feine Kratzer optisch auffüllen, ohne sie zu entfernen. Deshalb entfetten wir nach jeder Politur, bevor wir das Ergebnis beurteilen.
Wie trägt Polierpaste Lack ab?
Polieren ist ein Schleifprozess im Mikrometerbereich. Die Körner schneiden feine Späne aus der Lackoberfläche und senken so die Spitzen ab, bis die Flanken eines Kratzers eingeebnet sind. Damit am Ende Hochglanz entsteht, müssen die Spuren der Körner selbst kleiner werden als das, was das Auge auflösen kann.
Zerfallende und beständige Körner
Viele Polierpasten arbeiten mit Körnern, die während der Bearbeitung kleiner werden. Die Patentschrift beschreibt Aluminiumoxid-Aggregate aus zusammengesinterten Kristalliten, deren Porosität einen gezielten Zerfall erlaubt. Die groben Aggregate sorgen anfangs für Abtrag, die entstehenden kleineren Partikel glätten die eigenen Spuren. Als bevorzugte mittlere Partikelgröße (D50) nennt die Patentschrift 10 bis 15 µm. Beständige Körner behalten ihre Größe dagegen bei und erfordern einen separaten Feinschritt.
Welche Arten von Polierpaste gibt es?
Hersteller ordnen ihre Produkte nach Abtragsleistung. Die Begriffe sind nicht genormt, die Einteilung ist aber in der Praxis verbreitet:
| Stufe | Aufgabe | typische Pads | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Heavy Cut (Schleifpaste) | Schleifspuren und tiefere Kratzer entfernen | Lammfell, Mikrofaser, harter Schaum | hoher Abtrag, oft mit Polierspuren |
| Medium Cut | Swirls und mittlere Defekte beseitigen | mittelharter Schaum | guter Abtrag mit hohem Glanz |
| Finish | Hologramme und Schleier entfernen | weicher Schaum | Hochglanz, kaum Abtrag |
Daneben gibt es Einschrittpolituren, die mit zerfallenden Körnern Abtrag und Glanz in einem Durchgang verbinden. Diese Produkte eignen sich für leichte bis mittlere Defekte und schonen den Klarlack, weil nur ein Arbeitsgang erfolgt.
Was beeinflusst das Ergebnis?
- Pad: Härte und Material des Pads verändern die Abtragsleistung oft stärker als der Wechsel der Paste.
- Maschine: Rotationsmaschinen tragen mehr ab, ein Exzenterpolierer arbeitet kontrollierter und erzeugt weniger Hologramme.
- Drehzahl und Druck: Ein Lackhersteller nennt für seine Schleif- und Polierpaste zum Beispiel etwa 2.000 Umdrehungen pro Minute mit Lammfell und ausdrücklich keinen Druck auf die Maschine.
- Arbeitsfläche: Laut demselben Datenblatt sollte je Durchgang höchstens 1 m² bearbeitet werden, und die Paste darf nicht antrocknen.
- Lackhärte: Harte Klarlacke benötigen eine kräftigere Kombination, weiche Klarlacke neigen zu Hologrammen und brauchen ein sorgfältiges Finish.
- Temperatur: Reibung erwärmt den Lack. Zu viel Wärme kann den Klarlack erweichen und an Kanten zum Durchpolieren führen.
So gehen wir in der Halle vor
- Wäsche und Dekontamination: Lose Partikel würden zwischen Pad und Lack neue Kratzer ziehen.
- Schichtdicke messen: Die Messung zeigt, wie viel Reserve für den Abtrag vorhanden ist.
- Testfläche: Wir beginnen mit der mildesten Kombination aus Paste und Pad und steigern nur bei Bedarf.
- Korrekturstufe: Mit der ermittelten Kombination arbeiten wir Bauteil für Bauteil, in kleinen Abschnitten und ohne die Paste antrocknen zu lassen.
- Finish: Eine feine Paste entfernt Hologramme und Schleier der vorherigen Stufe.
- Entfetten und Kontrolle: Erst ohne Öle und Füllstoffe zeigt sich das wirkliche Ergebnis unter Inspektionslicht.
- Schutz: Abschließend schützt eine Keramikversiegelung den polierten Klarlack.
Je nach Zustand arbeiten wir bei der Lackaufbereitung ein- bis mehrstufig. Einstufig dauert etwa 1 Tag, zweistufig 1 bis 2 Tage, dreistufig 2 bis 3 Tage. Mattlack polieren wir grundsätzlich nicht.
Häufige Fragen zu Polierpaste
Was ist der Unterschied zwischen Polierpaste und Politur?
Die Begriffe werden im Alltag oft gleichbedeutend verwendet. In der Fachsprache bezeichnet Polierpaste meist eine abrasive Paste mit deutlichem Abtrag, während Politur auch feine Finish-Produkte umfasst. Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Abtragsleistung, die der Hersteller angibt. Deshalb prüfen wir jede Paste zuerst an einer Testfläche.
Wie viel Lack trägt eine Polierpaste ab?
Das hängt von Paste, Pad, Maschine, Druck und Lackhärte ab und lässt sich nicht pauschal beziffern. Eine Schleifpaste mit hartem Pad trägt ein Vielfaches dessen ab, was ein Finish-Produkt mit weichem Pad abträgt. Da eine Serienlackierung insgesamt meist nur 80 bis 130 µm dick ist, messen wir vor der Korrektur die Schichtdicke. So erkennen wir, wo Reserve vorhanden ist und wo nicht.
Kann man Polierpaste von Hand verarbeiten?
Viele Pasten lassen sich auch von Hand auftragen, etwa für kleine Stellen oder zum Nacharbeiten. Der Abtrag ist dabei deutlich geringer und ungleichmäßiger als mit einer Maschine. Für flächige Korrekturen ist die Maschine fachgerecht, weil Druck und Bewegung gleichmäßig bleiben. Für einzelne, punktuelle Defekte kann die Handarbeit sinnvoll sein.
Entfernt Polierpaste jeden Kratzer?
Nein. Polierpaste kann nur Kratzer einebnen, die innerhalb des Klarlacks liegen. Kratzer, die bis in den Basislack oder bis zur Grundierung reichen, lassen sich nicht wegpolieren. In solchen Fällen ist eine Lackreparatur nötig. Bei tiefen Einzelkratzern ist manchmal ein Abschwächen die vernünftigere Lösung.
Quellen: Wikipedia: Polieren, Europäisches Patent EP 3582932 B1: Aluminiumoxid-Schleifpartikel für Fahrzeug-Finishing-Zusammensetzungen, Mipa: Produktinformation Schleif- und Polierpaste, Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung: Merkblatt Gesamtschichtdicke (2025)

