Steinschlag

Steinschlag trifft vor allem Front und Spiegel. Hier liest du, wie du die Tiefe eines Schadens einordnest und welcher Schutz tatsächlich wirkt.

Weißer VW T6 von vorn nach der Aufbereitung

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Kurz erklärt

Steinschlag ist eine punktuelle Beschädigung der Fahrzeugoberfläche durch aufgewirbelte Steine, Splitt oder Streugut. Auf dem Lack entsteht ein kleiner Krater, der je nach Aufprallenergie im Klarlack endet oder bis zum Füller, zur Grundierung oder zum Blech reicht. An der Windschutzscheibe verursacht Steinschlag Absplitterungen im Außenglas, aus denen sich Risse entwickeln können.

Steinschläge gehören zu den häufigsten Schäden, die wir bei der Eingangsprüfung in der Halle dokumentieren, vor allem an Fronthaube, Stoßfänger und Außenspiegeln. Entscheidend ist nicht die Größe des Punktes, sondern wie tief er in den Lackaufbau reicht. Davon hängt ab, ob eine Aufbereitung genügt oder ob ein Lackierbetrieb nachbessern muss.

Wie entsteht Steinschlag?

Ein Stein, der von einem vorausfahrenden Fahrzeug aufgewirbelt wird, trifft mit hoher kinetischer Energie auf eine sehr kleine Fläche. Die Aufprallenergie wächst mit dem Quadrat der Relativgeschwindigkeit. Auf der Autobahn, hinter Lkw, auf frisch gesplitteten Landstraßen und im Winter durch Streugut ist die Belastung deshalb besonders hoch. Betroffen sind vor allem die in Fahrtrichtung liegenden Flächen: Stoßfänger, Fronthaube, Kotflügelkanten, Spiegelkappen, Schweller und die Bereiche hinter den Radläufen.

Ob der Lack den Treffer übersteht, hängt vom Zusammenspiel der Schichten ab. Eine Serienlackierung besteht aus Vorbehandlung, Grundierung, Füller, Basislack und Klarlack. Laut Fachliteratur liegt die kathodische Tauchlackierung (KTL), also die elektrochemisch abgeschiedene Grundierung, bei etwa 18 bis 22 µm. Der Füller mit circa 35 µm soll unter anderem eine hohe Steinschlagbeständigkeit sicherstellen, weil er Stoßenergie elastisch aufnimmt. Bei modernen integrierten Lackierprozessen entfällt der klassische Füller, und eine erste Basislackschicht übernimmt seine Aufgabe. Radläufe und Unterboden erhalten zusätzlich einen elastischen Unterbodenschutz, häufig aus PVC-Plastisol.

Wie die Steinschlagfestigkeit geprüft wird

Lackhersteller und Automobilindustrie prüfen die Widerstandsfähigkeit von Lackaufbauten nach DIN EN ISO 20567-1. Bei dieser Multischlagprüfung wird eine lackierte Probe mit Hartgussgranulat beschossen, um Steinschlag im Labor nachzustellen. Anschließend wird bewertet, wie viel Lack abgeplatzt ist und zwischen welchen Schichten die Haftung versagt hat. Die Prüfung zeigt, dass Steinschlagschäden den Schwachstellen im Schichtverbund folgen. Abplatzungen entstehen dort, wo die Zwischenhaftung zweier Schichten am geringsten ist.

Woran erkennst du, wie tief ein Steinschlag reicht?

Die Farbe am Grund des Kraters verrät, welche Schicht freiliegt. Wir betrachten jeden Punkt unter Inspektionslicht und mit Lupe, weil die Einordnung über die richtige Maßnahme entscheidet.

TiefeMerkmalMaßnahme
nur im Klarlackheller, matter Punkt, Farbe darunter unverändertoft durch Politur abzuschwächen, Kanten bleiben teils sichtbar
bis in den BasislackFarbton sichtbar, Klarlackrand ausgebrochenfachgerechte Lackausbesserung, Politur reicht nicht
bis Füller oder Grundierunggrauer, weißer oder dunkler GrundAusbesserung mit Schichtaufbau durch einen Lackierbetrieb
bis zum Blechmetallisch blanker Grund, später rostbraune VerfärbungKorrosionsschutz und Lackierung, nicht aufschieben
auf Kunststoffteilenheller Krater, Lack löst sich an den RändernHaftung prüfen, Ausbesserung oder Bauteillackierung

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, ein kleiner Steinschlag sei nur ein optisches Problem. Sobald der Krater bis zum Stahlblech reicht, fehlt an dieser Stelle der Korrosionsschutz. Feuchtigkeit und Salz erreichen das Metall, und Rost kann den Lack von der Schadstelle aus unterwandern. Aus einem Punkt wird so mit der Zeit eine Blase oder eine abgeplatzte Fläche.

Steinschlag in der Windschutzscheibe

Windschutzscheiben bestehen aus Verbundglas, also aus zwei Glasscheiben mit einer Kunststoffzwischenschicht. Ein Steinschlag beschädigt meist nur das Außenglas. Temperaturwechsel, Verwindung der Karosserie und Erschütterungen können aus der Absplitterung jedoch einen Riss machen. Laut ADAC ist eine Reparatur in der Regel möglich, wenn der Schaden kleiner als 5 mm ist, mindestens 10 cm vom Scheibenrand entfernt liegt, nicht im Sichtfeld des Fahrers liegt und nur das Außenglas betrifft. Als Sichtfeld beschreibt der ADAC eine Fläche etwa in der Größe eines DIN-A4-Blattes direkt vor dem Gesicht des Fahrers. Bis zur Reparatur empfiehlt der ADAC, die Stelle abzukleben, damit weder Wasser noch Schmutz eindringen.

Scheibenreparaturen gehören nicht zu unseren Leistungen. Wir erwähnen sie hier, weil Steinschlag im Alltag beide Bereiche betrifft und die Begriffe oft vermischt werden.

Was schützt den Lack vor Steinschlag?

Gegen Steinschlag hilft nur eine Schicht, die Stoßenergie aufnehmen kann. Hier unterscheiden sich die Schutzarten grundlegend.

SchutzWirkprinzipWirkung gegen Steinschlag
Lackschutzfolie (PPF)elastische, transparente Polyurethanfolie, die Aufprallenergie verteiltwirksamster Schutz für gefährdete Flächen
Keramikversiegelungsehr dünne, harte, vernetzte Schicht auf dem Klarlackschützt vor Chemie und erleichtert die Pflege, verhindert keine Steinschläge
Wachs oder Sprühversiegelungdünner Film auf der Oberflächekein nennenswerter mechanischer Schutz

Eine Lackschutzfolie, auch Steinschlagschutzfolie genannt, wird auf Fronthaube, Stoßfänger, Kotflügel, Spiegel oder Ladekanten verklebt. Ein Beispiel ist unser VW T6.1, den du unter Ergebnisse findest. Die Keramikversiegelung ergänzt die Folie sinnvoll auf den übrigen Flächen, ersetzt sie aber nicht. Keine Versiegelung macht Lack steinschlagfest.

So gehen wir in der Halle vor

  1. Wäsche und Dekontamination: Erst auf sauberem Lack ist erkennbar, welche Punkte echte Krater sind und welche nur Anhaftungen wie Teer oder Insektenreste.
  2. Inspektion und Dokumentation: Unter Inspektionslicht erfassen wir Lage, Anzahl und Tiefe der Steinschläge, damit du einen sachlichen Überblick erhältst.
  3. Einordnung nach Tiefe: Wir unterscheiden zwischen Schäden im Klarlack und Schäden mit freiliegendem Untergrund, weil nur die ersten in den Bereich der Aufbereitung fallen.
  4. Empfehlung: Bei offenem Blech oder Basislack raten wir zur Ausbesserung durch einen Lackierbetrieb, bevor geschützt oder versiegelt wird, damit keine Korrosion unter der Schutzschicht eingeschlossen wird.
  5. Politur der Umgebung: Im Rahmen der Lackaufbereitung glätten wir flache Klarlackschäden und Waschkratzer rund um die Schadstellen, nachdem wir die Lackschichtdicke gemessen haben.
  6. Schutz: Abschließend schützen wir die gefährdeten Frontflächen mit Folie und die übrigen Flächen nach Wunsch mit einer Versiegelung.

Tipp aus der Halle

Prüfe die Front deines Autos nach jeder längeren Autobahnfahrt und vor dem Winter auf neue Steinschläge. Ein Abstand zum Vorausfahrenden reduziert die Treffer spürbar, vor allem hinter Lkw und auf Baustellenabschnitten.

Häufige Fragen zu Steinschlag

Kann man Steinschläge im Lack wegpolieren?

Nur sehr flache Schäden, die vollständig im Klarlack liegen, lassen sich durch eine Politur abschwächen. Sobald der Krater bis in den Basislack, den Füller oder die Grundierung reicht, fehlt dort Material, das eine Politur nicht ersetzen kann. In diesen Fällen ist eine fachgerechte Ausbesserung durch einen Lackierbetrieb nötig. Wir messen und prüfen deshalb vor jeder Korrektur, wie tief ein Schaden reicht.

Rostet ein Steinschlag?

Ein Steinschlag rostet, wenn er bis zum Stahlblech reicht und der Korrosionsschutz aus Vorbehandlung und Grundierung an dieser Stelle zerstört ist. Feuchtigkeit und Streusalz beschleunigen den Vorgang. Der Rost kann sich unter dem intakten Lack ausbreiten und ihn von unten anheben. Steinschläge bis zum Blech solltest du deshalb nicht über den Winter offen lassen.

Schützt eine Keramikversiegelung vor Steinschlag?

Nein. Eine Keramikversiegelung ist eine sehr dünne, harte Schicht, die vor chemischen Einflüssen schützt und die Pflege erleichtert. Gegen die punktuelle Aufprallenergie eines Steins ist sie zu dünn. Wirksamen mechanischen Schutz bietet eine elastische Lackschutzfolie, die auf besonders gefährdete Flächen geklebt wird.

Wann muss eine Windschutzscheibe nach Steinschlag getauscht werden?

Laut ADAC ist ein Austausch nötig, wenn der Schaden im Sichtfeld des Fahrers liegt, größer als 5 mm ist oder weniger als 10 cm vom Scheibenrand entfernt liegt. Auch wenn die Zwischenfolie oder die Innenscheibe beschädigt ist, scheidet eine Reparatur aus. Bis zur Klärung sollte die Stelle abgeklebt werden, damit kein Schmutz und kein Wasser eindringen. Scheibenreparaturen übernehmen Fachbetriebe für Autoglas.

Welche Stellen am Auto sind am stärksten betroffen?

Am stärksten betroffen sind alle Flächen, die in Fahrtrichtung liegen: Frontstoßfänger, Fronthaube, Kotflügelkanten und Spiegelkappen. Dazu kommen Schweller, Türunterkanten und die Bereiche hinter den Rädern, die von den eigenen Reifen beworfen werden. Auf diese Flächen konzentrieren wir uns bei der Inspektion und beim Folienschutz.

Quellen: ADAC: Steinschlag in der Autoscheibe, DIN EN ISO 20567-1:2017-07, Prüfung der Steinschlagfestigkeit von Beschichtungen, Multischlagprüfung, Herrle, T.: Dissertation zur Automobilserienlackierung, Cuvillier Verlag (Leseprobe), Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung: Merkblatt Gesamtschichtdicke (2025)

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