Kurz erklärt
Basislack ist die farbgebende Schicht einer Zweischicht-Decklackierung und liegt zwischen Füller und Klarlack. Er enthält Farbpigmente und bei Effektlacken plättchenförmige Effektpigmente, etwa für Metallic, und bestimmt Farbton, Deckvermögen und Effekt. Basislack ist auf die Überlackierung mit Klarlack ausgelegt, der Glanz und Witterungsbeständigkeit liefert. In der europäischen Serienlackierung ist er überwiegend wasserbasiert.
Den Basislack sieht man, aber man berührt ihn im Idealfall nie. Für uns in der Halle ist er die Grenze, die bei der Lackkorrektur nicht erreicht werden darf. Wer weiß, wie er aufgebaut ist und was ihn vom Klarlack unterscheidet, versteht, warum manche Kratzer polierbar sind und andere nicht.
Wo liegt der Basislack im Lackaufbau?
Eine Serienlackierung besteht aus mehreren Funktionsschichten. Auf Vorbehandlung und kathodische Tauchlackierung (KTL) folgt klassisch der Füller, der Unebenheiten ausgleicht und Steinschläge abfedert. Darauf liegt der Decklack, der laut Fachliteratur in der Serie aus zwei getrennt aufgetragenen Schichten besteht: dem Basislack für die Farbgebung und dem Klarlack für die Beständigkeit gegen UV-Strahlung, Witterung, Chemikalien und Kratzer. Basis- und Klarlack sind zusammen etwa 55 bis 65 µm dick.
Seit den 1980er Jahren hat sich die Zweischichtlackierung durchgesetzt, weil sie Metalliceffekte brillanter und beständiger darstellt. Heute werden laut Fachliteratur auch Unifarbtöne überwiegend zweischichtig lackiert. Moderne Lackierwerke stellen zunehmend auf den integrierten Lackierprozess der zweiten Generation (IPP II) um. Dabei wird der Basislack in zwei Schichten direkt auf die KTL aufgetragen. Die erste Basislackschicht übernimmt die Aufgabe des Füllers, die zweite bestimmt Farbton und Effekt.
Woraus besteht Basislack?
Basislack besteht aus Bindemittel, Pigmenten, Lösemittel oder Wasser und Additiven. Das Bindemittel bildet den Film und hält die Pigmente. Bei Unifarben sorgen deckende Farbpigmente für den Farbton. Bei Effektlacken kommen plättchenförmige Pigmente hinzu, etwa feine Aluminiumplättchen für Metallic. Diese Plättchen reflektieren das Licht gerichtet. Je nach Betrachtungswinkel wirkt die Fläche dadurch heller oder dunkler, ein Effekt, den Lackierer als Flop bezeichnen.
Damit dieser Effekt entsteht, müssen die Plättchen möglichst parallel zur Oberfläche liegen. Effektbasislacke haben laut Fachliteratur einen geringen Festkörpergehalt und werden in der Serie in zwei Aufträgen appliziert. Der zweite Auftrag erfolgt häufig pneumatisch, weil sich die Pigmente so besser ausrichten. Unibasislacke kommen meist mit einem Auftrag aus.
Wasserbasislack und Ablüften
In Europa dominieren in der Serie wasserbasierte Basislacke, weil sie weniger flüchtige organische Verbindungen freisetzen. In den USA sind dagegen lösemittelbasierte High-Solid-Basislacke verbreitet. Vor dem Klarlackauftrag wird der Basislack in einer Ablüftzone bei etwa 50 bis 80 °C einige Minuten angetrocknet. Erst danach folgt der Klarlack, und beide Schichten werden gemeinsam eingebrannt. Diese Vorgehensweise heißt nass in nass.
Basislack in Serie und Reparatur
| Merkmal | Serienlackierung | Reparaturlackierung (Beispiel Herstellerdatenblatt) |
|---|---|---|
| Auftrag | Hochrotationsglocken, bei Effektlacken zweiter Auftrag oft pneumatisch | Spritzpistole, 2 deckende Spritzgänge plus ein halber Gang zur Effektangleichung |
| Schichtdicke | Teil des Decklacks von zusammen etwa 55–65 µm | 10–15 µm |
| Zwischentrocknung | Ablüftzone bei etwa 50–80 °C, einige Minuten | bei 20 °C etwa 5 Minuten Ablüften je Spritzgang, bis die Fläche matt ist |
| Endhärtung | gemeinsames Einbrennen mit dem Klarlack | unter dem anschließend aufgetragenen Reparaturklarlack |
Der Basislack ist ohne Klarlack nicht fertig. Er trocknet matt auf und ist nicht dafür ausgelegt, Witterung, UV-Strahlung und Wäschen allein standzuhalten. Glanz und Schutz entstehen erst durch die Klarlackschicht darüber.
Abgrenzung und typische Missverständnisse
- Basislack ist nicht Einschichtlack. Ein Einschicht-Decklack vereint Farbe und Glanz in einer pigmentierten Schicht. Bei ihm trägt jede Politur direkt farbiges Material ab. Beim Zweischichtaufbau liegt die Farbe geschützt unter dem Klarlack.
- Farbe am Polierpad ist ein Warnsignal. Färbt sich das Pad bei einem Zweischichtlack im Farbton des Fahrzeugs, ist der Klarlack an dieser Stelle durchpoliert. Bei einem Einschichtlack ist farbiger Abrieb dagegen normal.
- Kratzer im Basislack lassen sich nicht wegpolieren. Polieren trägt Klarlack ab. Reicht ein Kratzer bis in den Basislack oder bis zur Grundierung, fehlt das Material, das man einebnen könnte.
- Der Farbton hängt nicht nur am Basislack. Schichtdicke, Spritztechnik und Ablüften beeinflussen, wie die Effektpigmente liegen. Deshalb wirkt eine Reparaturlackierung bei Metallic unter bestimmten Blickwinkeln manchmal anders als das Original.
Lässt sich der Basislack messen?
Zerstörungsfrei nicht einzeln. Messgeräte arbeiten auf Stahl magnetinduktiv und auf Aluminium nach dem Wirbelstromverfahren und zeigen nur die Summe aller Schichten über dem Metall. Die Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung stellt in ihrem Merkblatt fest, dass eine Trennung der einzelnen Schichtdicken mit zerstörungsfreien Messmethoden derzeit nicht möglich ist. Für eine ideale Serienlackierung nennt sie eine Gesamtschichtdicke von in der Regel 80 bis 130 µm. Wie viel davon Klarlack ist und wie nah der Basislack an der Oberfläche liegt, lässt sich daraus nur abschätzen. Deshalb messen wir vor jeder Korrektur die Lackschichtdicke und vergleichen benachbarte Bauteile.
So schützen wir den Basislack in der Halle
- Lackaufbau klären: Wir prüfen, ob ein Zweischicht- oder Einschichtlack vorliegt. Davon hängt ab, wie wir den Abrieb am Pad bewerten.
- Schichtdicke messen: Die Messung je Bauteil zeigt Nachlackierungen und Zonen mit wenig Reserve, etwa an Kanten und Sicken.
- Defekte beurteilen: Unter Inspektionslicht bestimmen wir, ob ein Kratzer im Klarlack endet oder bis in den Basislack reicht. Kratzer, an denen der Farbton sichtbar unterbrochen ist, korrigieren wir nicht durch Polieren.
- Testfläche: Wir beginnen mit der mildesten Kombination aus Politur, Pad und Maschine und steigern nur, wenn das Ergebnis es erfordert.
- Kanten schützen: Kanten, Sicken und Übergänge kleben wir ab oder bearbeiten sie mit wenig Druck, weil dort am wenigsten Lack aufliegt.
- Versiegeln: Nach der Lackaufbereitung schützt eine Keramikversiegelung den Klarlack und damit indirekt den Basislack darunter.
Tipp aus der Halle
Prüfe einen Kratzer mit dem Fingernagel. Bleibt der Nagel hängen und ist im Grund eine andere Farbe oder Grau zu sehen, ist er meist zu tief für eine Politur. Dann ist eine Lackreparatur der richtige Weg.
Häufige Fragen zu Basislack
Was ist der Unterschied zwischen Basislack und Klarlack?
Der Basislack ist die farbgebende Schicht mit Pigmenten und bestimmt Farbton und Effekt. Der Klarlack darüber ist pigmentfrei und sorgt für Glanz, Tiefenwirkung und Schutz gegen UV-Strahlung, Witterung und Chemikalien. Beide bilden zusammen den Decklack, der in der Serie etwa 55 bis 65 µm dick ist. Fast jede Politur findet im Klarlack statt, der Basislack soll dabei unberührt bleiben.
Kann man Basislack ohne Klarlack verwenden?
Bei einer Zweischichtlackierung nicht. Basislack trocknet matt auf und ist nicht dafür ausgelegt, UV-Strahlung, Witterung und Reinigung allein standzuhalten. Ohne Klarlack würde die Farbe ausbleichen und die Oberfläche stärker verschmutzen. Für Lackierungen ohne Klarlack gibt es eigene Einschicht-Decklacke.
Wie dick ist der Basislack?
In der Serie ist der Decklack aus Basis- und Klarlack laut Fachliteratur zusammen etwa 55 bis 65 µm dick. Für Reparaturbasislacke nennen Herstellerdatenblätter typischerweise eine Schichtdicke von etwa 10 bis 15 µm. Der genaue Wert hängt vom Farbton, vom Deckvermögen der Pigmente und vom Verfahren ab. Zerstörungsfrei lässt sich nur die Gesamtschichtdicke messen.
Warum ist Wasserbasislack heute Standard?
Wasserbasierte Basislacke setzen deutlich weniger flüchtige organische Verbindungen frei als lösemittelbasierte Systeme. In Europa dominieren sie deshalb in der Serienlackierung. Auch in der Reparaturlackierung gelten innerhalb der EU Grenzwerte für den Lösemittelgehalt. Für die Lackpflege macht die Basis keinen Unterschied, weil der Basislack immer unter dem Klarlack liegt.
Quellen: Herrle, T.: Dissertation zur Automobilserienlackierung, Cuvillier Verlag (Leseprobe), Deutsche Kommission für Lack und Karosserieinstandsetzung: Merkblatt Gesamtschichtdicke (2025), Glasurit: Technische Information 2-Schicht-Decklack 90-Fertigton

